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Mundart-/Heimatliteratur in Bayern

Was ist Mundartliteratur?

Dialektdichtung oder Mundartliteratur liegt erst mit der Ausbildung einer neuhochdeutschen Schriftsprache vor. Für Bayern sind hier neben einer bayerisch-österreichischen Hochsprache im Schulwesen und im offiziellen Schrifttum seit dem 18. Jahrhundert auch die damit konkurrierende an Luther und Gottsched orientierte Schriftsprache als kontrastive Norm zur Mundart zu nennen. Im bewussten Gegensatz zur Hochsprache beginnen vor allem seit dem 18. Jahrhundert Schriftsteller in Altbayern, Franken und Schwaben Mundartliteratur aufzuzeichnen. Während für Altbayern insbesondere mit Franz von Kobell („Brandner Kaspar“) und Ludwig Thoma bei aller Unterschiedlichkeit auch eine schriftsprachliche Norm des Bairischen vorliegt, sind für die fränkischen Mundarten ebenso wie für die schwäbischen Dialekte eher kleinräumige Verschriftlichungsformen auszumachen. Mitunter sind die Dialektdichtungen gerade im Schwäbischen von Ort zu Ort Zeugnis unterschiedlicher Ortsmundarten.

Dies kann im Deutschunterricht fruchtbar gemacht werden, indem einheimische Mundartdichtung auch als Zeugnis regionaler Kultur, als Quelle für den Dialekt und seine sprachwissenschaftliche Beschreibung besprochen wird.

Mundartliteratur in der bayerischen Literaturgeschichte

Eine nahezu vollständige Zusammenstellung wichtiger Mundartautorinnen und -autoren findet sich in der „Bayerischen Literaturgeschichte“ von Klaus Wolf. Der Band verzeichnet Dialektdichtung seit ihrem ersten größeren Auftreten im 18. Jahrhundert. Dabei werden Altbayern, Franken und Schwaben gleichermaßen berücksichtigt. Neben traditionellen Formen aus Epik, Lyrik und Dramatik wird auch auf moderne Gattungen wie Poetry Slam eingegangen.

Konzeptionelle Mündlichkeit und Performanz

Die für die Dialektdichtung charakteristische Nähe zur Mündlichkeit macht folgerichtig ihre Präsentation im mündlichen Vortrag attraktiv. Von daher könnte für den Unterricht die Einladung lokaler Mundartdichterinnen und -dichter zu Lesungen mit anschließendem Gespräch sinnvoll sein. Sofern im Klassenverband Dialektsprecherinnen und -sprecher vorhanden sind, können sie oder einzuladende Eltern und Großeltern den Part der „native speaker“ übernehmen.

Literaturtipps auf #lesen.bayern

Im ISB-Portal #lesen.bayern finden Sie Rezensionen (Sachbücher wie Belletristik), auch aus der Kategorie Heimat- und Dialektliteratur.

Beispiele für lebendige Mundartliteratur heute

Auf dem Literaturportal Bayern verzeichnen Kartenwerke einzelne Orte mit Daten von lokalen Autorinnen und Autoren, darunter auch solcher, die im Dialekt schreiben. Neben biographischen und bibliographischen Angaben finden sich ebenso Verlinkungen zu Texten sowie Hördateien. Die literaturgeographischen, biographischen und bibliographischen Daten zu den einzelnen Orten einschließlich Mundartautorinnen und -autoren werden laufend erweitert. Schülerinnen und Schüler könnten in P- und W-Seminaren sogar selbst in Zusammenarbeit mit der Redaktion die heimatlichen Ortsdatenbanken ergänzen bzw. Blogs schreiben.

Im Rahmen des Schülertages 2009 des Unterfränkischen Dialektinstituts fand zum Thema „Dialekt und Lyrik” ein Gedichtwettbewerb statt, an dem sich fast 600 Schülerinnen und Schüler aus zwölf unterfränkischen Gymnasien mit über 70 selbst verfassten Dialektgedichten beteiligten. Bei der Auswahl der ca. 35 Gedichte für die Anthologie unterstützen Dr. Michael Will vom Lehrstuhl für neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Florian Brandl vom Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur, beide Universität Würzburg, sodass neben der Authentizität des Dialekts auch literarische und didaktische Kriterien berücksichtigt wurden. Die graphische Gestaltung übernahmen verschiedene Klassen des Gymnasiums Marktbreit, ein Erfahrungsbericht von Schülerinnen des Würzburger St.-Ursula-Gymnasiums über die Entstehung ihrer Dialektgedichte rundet das Bändchen ab. Die Gedichtanthologie ist 2011 im Universitätsverlag Winter (Heidelberg) erschienen und für 12 Euro im Buchhandel erhältlich (ISBN 9783825359058).