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Geschichte und Gegenwart der Bräuche in Bayern

Beliebigkeit, Spontaneität, Einmaligkeit – all das sind keine Kategorien, die einen Brauch bestimmen, ganz im Gegenteil: Bräuche kennzeichnen sich dadurch, dass sie regelmäßig wiederkehren, von einer spezifischen Gruppe ausgeübt werden und mit Bedeutung, die sich auch in Ritualen und Symbolen ausdrückt, versehen sind. Wichtig ist dabei, dass die zeichenhaften Handlungen des Brauchs auch den Personen, die ihn ausüben, bekannt sein müssen – ein Brauch will verstanden und „gelesen“ werden. Zugleich bedeutet das, dass heute gepflegte Bräuche zwar mitunter eine lange Tradition besitzen, aber für die Gegenwart verständlich bleiben müssen, um ihren Charakter als Brauch zu bewahren. Insofern waren und sind bayerische, schwäbische und fränkische Bräuche immer auch einem gewissen Wandel unterworfen, manche haben sich über Jahrhunderte in einer spezifischen Region erhalten, manche wurden nicht mehr gepflegt, andere wiederbelebt.

Einen klaren, eindeutig feststellbaren Ursprung von Bräuchen gibt es nicht: Sie entstanden zu allen Zeiten und konnten aus unterschiedlichen Quellen gespeist werden. Während sich das christliche Osterfest aus dem jüdischen Pessachfest entwickelt hat, ist die Vorliebe für bemalte Eier als Symbol der Auferstehung auch rein pragmatisch zu sehen: Es gab schlichtweg am Ende der Fastenzeit, in der es verboten war, tierische Produkte zu essen, viele Eier, die verwertet werden mussten.

Ganz anders hat sich die in Bayern beliebte Tradition des Maibaumaufstellens entwickelt: Als die in einzelnen Gemeinden einquartierten Soldaten des Dreißigjährigen Kriegs (1618–1648) begannen, als Zeichen der Ehrerweisung den Vertretern der Gemeinde kleine Bäume zum 1. Mai, einem im Verlauf des Dienstjahres wichtigen Termin, zu widmen, knüpften manche Gemeinden auch nach deren Abzug daran an. Wiederbelebt wurde dieser Brauch zu Beginn des 20. Jahrhunderts, um das gemeindliche Gemeinschaftsgefühl zu stärken.

„Die“ Geschichte bayerischer, fränkischer und schwäbischer Bräuche – gar eines vermeintlich ursprünglichen „Brauchtums“ (dieser Begriff wird im Portal i. d. R. vermieden, um Assoziationen zu einem statischen, teils ideologisch vereinnahmten Begriff des ‚Volkstums’ zu vermeiden) – gibt es also nicht, wohl aber eine dynamische Entwicklung von Bräuchen und regionaler Kultur in Bayern sowie eine beeindruckende Vielfalt, die auf den Reichtum der unterschiedlichen Menschen verweist, die im Freistaat Bayern wohnen.

Literaturtipp:

Das vom Landesverband für Heimatpflege betreute Portal „Brauchwiki“ beinhaltet nicht nur zahlreiche regionale wie überregionale, religiöse wie säkulare Bräuche, sondern auch in der Rubrik „Dr. Brauch“ Antworten auf die häufigsten Fragen rund um das Thema „Bräuche“. 

Verfasserin: Dr. Monika Müller