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Verankerung im Lehrplan und in der Bayerischen Verfassung

Dass Dialekte und regionale Kultur in ihrer Vielfalt, mit ihrer Heimatbezogenheit und als Ausdruck (sprachlicher) Identität eines jeden auch als Bestandteil von Schule und Unterricht begriffen werden, leitet sich aus dem Bildungs- und Erziehungsauftrag ab, der im Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG)  festgeschrieben und aus Artikel 131 der Bayerischen Verfassung („Oberste Bildungsziele in Bayern“) abgeleitet ist.

Art. 1 (1) Bildungs- und Erziehungsauftrag im BayEUG

1 Die Schulen haben den in der Verfassung verankerten Bildungs- und Erziehungsauftrag zu verwirklichen. 

2 Sie sollen Wissen und Können vermitteln sowie Geist und Körper, Herz und Charakter bilden. 

3 Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung, vor der Würde des Menschen und vor der Gleichberechtigung von Männern und Frauen, Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft, Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne und Verantwortungsbewusstsein für Natur, Umwelt, Artenschutz und Artenvielfalt. 

4 Die Schülerinnen und Schüler sind im Geist der Demokratie, in der Liebe zur bayerischen Heimat und zum deutschen Volk und im Sinn der Völkerversöhnung zu erziehen.

Demzufolge finden sich Verweise, Hinweise und Anknüpfungspunkte für die Thematisierung des Dialekts und der regionalen Kultur im Unterricht auch im LehrplanPLUS der verschiedenen Schularten und Fächer. Die nachfolgende Übersicht (in Auszügen, zusammengefasst) informiert über die wichtigsten Kompetenzerwartungen der Fachlehrpläne für das Fach Deutsch im Hinblick auf verschiedene Sprachvarietäten sowie über Hinweise auf die Einbindung von (regionaler) Kultur in Unterricht und Schulleben sowie in den fächerübergreifenden Bildungs- und Erziehungszielen:

  • Vergleichen von anderen Sprachen und Schriftsystemen (z. B. Dialekte, andere Erstsprachen der Mitschülerinnen und Mitschüler, Schriften anderer Schriftsprachen in den Herkunftsfamilien) und Wertschätzen von Vielfalt
  • Beschreiben von Gemeinsamkeiten und Unterschieden von Sprachen und Schriftsystemen im eigenen Umfeld (z. B. von Standardsprache, Dialekten, Jugendsprache, unterschiedlichen Herkunftssprachen, Englisch, Blindenschrift, Gebärdensprache) und Nutzen der Einsichten zur Erweiterung der Sprachbewusstheit
  • Unterscheiden der Verwendungszusammenhänge von Sprachvarietäten (z. B. Soziolekt, Regiolekt, Dialekt), Beschreiben der Eigenschaften mit dem Ziel, über variable Sprachregister zu verfügen und  Zusammenhänge von Sprache und Umfeld zu erkennen
  • Umsetzen der Sprechabsichten mit angemessenem Wortschatz in der persönlichen Sprachvarietät (z. B. im Dialekt, in der Jugendsprache) sowie in der Standard- und Bildungssprache, situativ angemessene Wahl der passenden Sprachebene
  • Kulturelle Bildung als Teil einer ganzheitlichen Bildung und einer Lebensgestaltung, in der sowohl Individualität, z. B. Werthaltungen und Identität, als auch gesellschaftliche Teilhabe ihren Ausdruck finden (wozu regionale Sprachfärbung und regionale Kultur einen Beitrag leisten)
  • Stärkung der Verbundenheit der Schülerinnen und Schüler, unabhängig von ihrer Herkunft, zur regionalen Lebensumwelt (auch als Teil ihrer Identität)

Auch die Beschlüsse der Kultusministerkonferenz (KMK) sehen eine Behandlung der Dialekte im Unterricht ausdrücklich vor. Sowohl die Bildungsstandards für die Primarstufe als auch die Bildungsstandards für den Mittleren Schulabschluss ordnen die Thematisierung von Dialekten dem Kompetenzbereichs „Sprache und Sprachgebrauch untersuchen” zu:

  • „Deutsch – Fremdsprache, Dialekt – Standardsprache; Deutsch – Muttersprachen der Kinder mit Migrationshintergrund; Deutsch – Nachbarsprachen” (Kompetenzbereich: Sprache und Sprachgebrauch untersuchen; Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Sprachen entdecken) (KMK 2004, Primarbereich)
  • „‚Sprachen in der Sprache’ kennen und in ihrer Funktion unterscheiden: z. B. Standardsprache, Umgangssprache, Dialekt; Gruppensprachen, Fachsprachen; gesprochene und geschriebene Sprache” (Kompetenzbereich: Sprache und Sprachgebrauch erkennen) (KMK 2004, Mittlerer Schulabschluss